Der Kampf um einen Stadtteilpark
Im Sommer 2025 begann in Schwerin ein bemerkenswerter Kampf: Eine Bürgerinitiative wehrte sich gegen den geplanten Verkauf und die Bebauung des 4.800 m² großen Stadtteilparks mit Spielplatz an der Kieler Straße in Lankow. Was folgte, war Schwerins erster Bürgerentscheid überhaupt – eine demokratische Kraftprobe, die mit Skandalen, juristischen Kontroversen und einem historischen Ergebnis in die Stadtgeschichte einging.
Der Park ist für viele Lankower mehr als nur eine Grünfläche: Er ist Begegnungsort, Spielplatz für Kinder, Ruheoase für Ältere und grüne Lunge des Stadtteils. Für Bewohner der umliegenden Mehrfamilienhäuser oft der einzige Ort ohne Konsumpflicht – ein „Wohnzimmer-Park" mitten im Viertel.
Nachwirkungen und Reaktionen
Politik reagiert
SPD-Fraktion (Mandy Pfeifer): Begrüßt das Ergebnis als „starkes Signal für gelebte Demokratie" und betont, dass sie sich frühzeitig für den Erhalt ausgesprochen habe.
Investor (Quarta GmbH): Äußert Enttäuschung und kritisiert, dass die Stadtpolitik das Projekt nicht transparent genug kommuniziert habe. Man habe erheblich investiert und auf die Beschlüsse der Stadtvertretung vertraut.
Bürgerinitiative: Feiert den Sieg als Beleg dafür, dass direkte Demokratie funktioniert und fordert mehr Bürgerbeteiligung bei künftigen Entscheidungen.
Kontroversen nach der Wahl
Ungültige Stimmen: In drei Auszählungsvorständen lag der Anteil ungültiger Stimmen bei über 4-5% (statt üblicher 0,6%). Die Wahlbehörde wurde um Aufklärung gebeten.
Spendenaktion-Streit: Stadtpräsident Sebastian Ehlers und Ortsteilvertreterin Cordula Manow starteten nach dem Entscheid eine Spendenaktion für die Sanierung des Spielplatzes (Ziel: 9.000 €). Die Bürgerinitiative kritisierte, dass sie nicht einbezogen wurde und weist darauf hin, dass der Platz laut Stadt „verkehrssicher" sei – keine Geräte seien gesperrt.
Stadtverwaltung bleibt uneinsichtig: Auch nach dem Bürgerentscheid betont die Verwaltung, die fehlende Kinder- und Jugendbeteiligung sei „in Ordnung" gewesen, da der Beschluss rechtlich nicht automatisch kippe. Kritiker sehen darin mangelnde Einsicht.
Was bleibt
Der erste Bürgerentscheid in Schwerins Geschichte hat gezeigt:
- Direkte Demokratie funktioniert – auch bei reiner Briefwahl im Winter
- Bürgerbeteiligung wird ernst genommen – über 40% Beteiligung ohne Urnengang
- Kinderrechte dürfen nicht ignoriert werden – die Kritik bleibt bestehen
- Grünflächen sind wichtig – besonders in dicht besiedelten Stadtteilen
Die Bürgerinitiative plant nun die Gründung eines Vereins, um den Park weiter zu schützen und zu gestalten. Der Stadtteilpark Lankow bleibt – als Symbol für erfolgreiche Bürgerpartizipation und als grüne Oase für alle Schwerinerinnen und Schweriner.Kontakt zur Bürgerinitiative: agenda-westmecklenburg@posteo.de / 015204466108